Die Eier legende Wollmilchsau

Sie sieht adrett aus. Und geschäftig. Meistens tritt sie im strengen Hosenanzug auf oder hat sich einen hippen, aber souverän geschäftsmäßigen Büro-Business-Look zu eigen gemacht. Man weiß ja nie, andere haben es schon vorgemacht – der Job einer Pressereferentin war für manche Geschlechtsgenossin die steile Treppe in ungeahnte Welten. 

Ihre Ausbildung? Irgendwas mit Medien. Gerne auch Studium mit dem Abschluss M.A.. Praktika? Jede Menge, sie waren lehr- und zahlreich. Für den besseren Überblick über das Genre. Hat mal hier eine Woche reingeschnuppert, mal da vier Wochen an einem total spannenden Projekt mitgearbeitet, dort eine ganz intensive Zeit in einer Agentur verbracht. 

Blöd, wenn man nie wirklich auf der anderen Seite war

Arbeitserfahrung über Jahre bei einer Zeitung, beim Radio, Fernsehen oder einer Presseagentur? Nee, ist ja auch schwierig, da reinzukommen und überhaupt war schon früh klar, dass PR ganz ihr Ding ist. Sie kennt sich aus, kann überall mitreden und findet es auch absolut ok, wenn sie in Teilzeit für schmales Geld den ganzen Krempel abarbeiten kann, der wie selbstverständlich auf ihrem Schreibtisch unter dem beliebten Sammelbegriff „Öffentlichkeitsarbeit“ landet. So lange in der Signatur „Head of Communication“, „Pressereferentin“, „Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ oder „Kommunikation und Marketing“ steht, passt es schon. 

Soweit das Klischee. 

Die Wahrheit ist: PR-Frau zu sein, ernst genommen zu werden und erfolgreich seine Arbeit zu erledigen, ist eine der größeren Herausforderungen in der Medienbranche und zugleich einer der undankbarsten Jobs. Zielvorgaben gibt es selten und wenn, dann nur vage (Warum fragt uns eigentlich die FAZ nie? Da wollen wir rein. Rufen Sie doch mal bei denen an.). Und ein wenig verhält es sich wie mit dem Bundestrainer: Jeder kann mitreden und weiß, wie es besser gehen sollte; gibt ungebeten nutzlose Tipps oder, noch schlimmer, stellt unrealistische Forderungen auf. Wenn sie noch nicht an der Realität gescheitert sind, bemühen „PR-Ladys“ (klingt schon albern) sich stark, einmal in der Theorie Gelerntes auf den ernüchternden Arbeitsalltag anzuwenden. Und scheitern häufig schon an der Aktualisierung des überfrachteten und veralteten Presseverteilers, der zwar aufgebläht, aber meistens vollkommen nutzlos ist. Aber für dieses wichtige Werkzeug fehlt ja meist die Zeit …

Klasse. Nicht Masse. 

Ich habe in meiner jahrelangen Tätigkeit richtig gute Pressefrauen kennengelernt. Hochprofessionell und stets bemüht, den Bedürfnissen der Medienvertreter nach Bildern in geeigneter Auflösung, O-Tönen in jeder schriftlichen, visuellen oder auditiven Form sowie belastbaren Zahlen und Eckdaten in Echtzeit nachzukommen. Sie verfassen klare Presseinformationen ohne Schnörkel und Ramschplattitüden, ihre Links zu Bild- und Tonmaterial funktionieren einwandfrei und in schöner Regelmäßigkeit halten sie Kontakt zu den für ihre Zielgruppe relevanten Medien, um künftige Inhalte und die weitere Zusammenarbeit zu besprechen. Oder sie bieten wirklich spannende Themen an, die exakt die Interessen des Leserkreises ansprechen.

Einige dieser Kommunikationsprofis haben es geschafft, mit ihren Kompetenzen einen (der seltenen) besser dotierten Jobs in einer Institution oder einem Unternehmen zu ergattern, die genau diese Fähigkeit zu schätzen wissen.

Die anderen (häufig in Branchen beschäftigt, die PR wollen, aber noch keinen wirklichen Zugang dazu haben) können dem dauerhaften Druck, mehrere Berufe zeitgleich mit dem Anspruch des maximalen Erfolgs für das Gehalt einer Sachbearbeiterin im unteren BAT-Bereich auszuüben, irgendwann nicht mehr Stand halten. Und sie ziehen sich auf das zurück, was ihnen am Ende zumindest ein Fünkchen Anerkennung und Rechtfertigung für ihren Arbeitsplatz einbringt: Flyer erstellen, Webseiten pflegen, Newsletter verschicken, Veranstaltungen planen, Firmenzeitungen füllen, Einladungen layouten, Gimmiks bestellen, Messeauftritte organisieren, gelegentlich mal eine nichtssagende Presseinfo verschicken, usw.

Eingestellt als Pressesprecherin, verrentet als „Mädchen für alles“ im Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“. Soweit ok, wenn man sich damit zufriedengibt, dass einem der Job den Kühlschrank füllt und es letztendlich egal ist, womit man seine Arbeitstage ausfüllt. Auch wenn das Profil mit dem Beruf des Pressesprechers so wenig zu vergleichen ist, wie die Berge mit der Küste ….